Beitrag zur Erhaltung hochwertiger antiker Möbel

Hochwertige antike Möbel werden heute nicht nur wegen ihrer Ausstrahlung, Wärme, Einzigartigkeit und Funktionalität gesammelt, auch die Wertbeständigkeit dieser Kunst- und Gebrauchsgegenstände haben immer mehr Freunde solcher Stücke im Hinterkopf. Eine häufig auftauchende, gut gemeinte Frage an mich ist daher, welche Pflegemittel ich empfehle, um die Möbel zu erhalten. Zahllose wundersame Produkte finden sich dann bereits in den meisten Haushalten und meine Antwort ist stets die gleiche: Keines der Wundermittelchen sollte verwendet werden!

Diese sogenannten Polituren dringen oft tief in das Holz ein und führen so zur Ablösung von Furnier- und Lackschichten. Irreversible Flecken und Verfärbungen sind häufig die Folge. Auch bilden sich oft klebrige Schichten, an denen dann der Staub dauerhaft haften bleibt. Schnell ist der erste Effekt, der mit solch einer „Pflege” erzielt wird, verpufft – dafür ist jedoch die Grundlage für substanzielle Schäden gelegt. Empfehlen kann ich ein leicht befeuchtetes Staubtuch zur Reinigung und die Nutzung eines Hygrometers, mit dem die relative Raumluftfeuchte kontrolliert wird, denn ein konstantes Raumklima mit zwischen 45 und 55 Prozent relativer Luftfeuchte kann vielerlei Schäden vermeiden. Wird die Luftfeuchte beobachtet, kann man durch Lüften beziehungsweise Heizungsregulierung auf das Raumklima einwirken. Bei festgestelltem Bedarf empfiehlt sich im Winter der Einsatz eines Luftbefeuchters.

Nützlich ist es auch, wenn die Möbel keinem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind. Dazu müssen normaler Weise nicht gleich UV-Schutzfolien auf die Fensterscheiben aufgebracht werden. Rollos und Fensterläden schützen wertvolle Biedermeier-oder Barockmöbel bei Extremeinstrahlungen vor zerstörerischem und ausbleichendem UV-Licht – und nebenbei auch noch die Textilien und Bilder. Zudem lassen sich schon vor dem Kauf eines wirklich wertbeständigen und eben auch wertvollen Möbels alle Schalter auf „Werterhalt” stellen. Die gesicherte Herkunft spielt genauso eine Rolle wie der originale Erhaltungszustand. Vorzuziehen sind Möbel, die mit belegbaren Inventarmarken und Provenienzen verkauft werden. Ein makelloser Zustand ganz ohne Abnutzungs- und Gebrauchsspuren sollte hingegen eher stutzig machen, denn eine sorgfältige Restaurierung muss zuallererst die vorhandene Substanz sichern und bewahren und dazu gehören, wenn vorhanden eben auch Gebrauchspuren. Restaurierte Möbel, die allzu sehr „in neuem Glanz erstrahlen”, haben meist schon ihre Aura verloren. Oder würden Sie Notenblätter von Mozart als Original kaufen, die wegen geringer Schäden ausradiert und neu geschrieben wurden?

Möbelrestaurierung
Fuss eines Empire-Tisches der von einem Hund angenagt wurde
Möbelrestaurierung
Restaurierungsbedürftiger Tisch nach der Beschädigung durch einen Hund
Möbelrestaurierung
Ebenfalls von einem Hund beschädigter Empire-Salontisch

Johannes Kössler

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