Außergewöhnliches Schreibmöbel

Das Foto zeigt die Frontansicht eines geschlossenen, antiken Zylinderbüros (einem Schreibtisch mit rollbarem Verschluss). Das Möbelstück ist aus hochwertigem, warmtönig glänzendem Nussbaumholz gefertigt und zeichnet sich durch eine streng symmetrische, elegante Bauweise aus. Es steht zentral vor einem ruhigen, gleichmäßigen grauen Stoffhintergrund.
Ansicht des geschlossenen Zylinder-Büros
Frontansicht eines geöffneten Empire-Zylinderbureaus aus poliertem, warmtönig gemasertem Nussbaumholz. Das antike Möbelstück steht vor einem neutralen, grauen Stoffhintergrund und verfügt über drei kleine Schubladen im Aufsatz sowie vier weitere Schubladen im unteren Bereich, alle mit runden Messingbeschlägen. Der Schreibtisch wird von vier eleganten, konisch zulaufenden Beinen getragen.
Das Zylinderbüro mit geöffnetem Zylinder und ausgezogenen Schreibplatten
Eingelassene Schlüsselbuchse in der Art der späten Roentgenwerkstätte Neuwied an einem Zylinderbüro.
In den Zylinder eingelassene Schlüsselbuchse in der Art der späten Roentgenwerkstätte Neuwied
Detailbild der Beschläge an einem Empire-Zylinderbureau
Griff, Knopf, Rosette und Schlüsselschild an der rechten Seite des Zylinderbüros
Detailbild eines Schlüsselschildes mit stillgelegtem Griff
Schlüsselschild mit eingelassener Schlüsselbuchse in der Art der späten Roentgenwerkstätte
Bild mit zwei eingelassenen Schlüsselbuchsen und einem Schlüssel an einem Empire-Zylinderbüro.
Schlüsselbuchsen und Schlüssel an der oberen mittleren Schublade und dem Zylinder des Schreibmöbels
Louis-XVI-Stuhl vor einem Empire-Zylinderbüro

Herrschaftliches Empire-Zylinderbüro um 1805, südwestdeutsch, wohl Karlsruher Hofschreinerei, Nussbaum, Eiche, Linde, alte Lederschreibfläche, originale Schlösser und Beschläge. Das Möbel hat einen verschließbaren Zylinder, eine ausziehbare Schreibfläche und links sowie rechts eine ebenfalls ausziehbare Nebenschreibfläche.

B.: 144 cm     H.: 124 cm      T.:70 cm

Das Empire-Zylinderbüro befindet sich in ausgezeichnetem Erhaltungszustand mit originaler  Oberfläche. Es weist keinerlei Veränderungen und kaum Gebrauchspuren auf. Dieses beeindruckende Möbelstück stammt ursprünglich aus markgräflich badischem Besitz und zeigt typische Merkmale der Karlsruher Hofwerkschreinerei auf, die wiederum stark von der späten Neuwieder Roentgen-Werkstatt beeinflusst wurde.

Und hier finden Sie ein etwas späteres Biedermeier-Zylinderbüro.

Preis auf Anfrage

 

Die Karlsruher Hofwerkschreinerei

Nach 1803 erlebte die Karlsruher Hofwerkschreinerei ihre glanzvollste Ära.  Im weiteren Verlauf wurde sie geprägt durch den Aufstieg Badens zum Großherzogtum und dem überstrahlenden Einfluss des Architekten Friedrich Weinbrenner.

Hier sind die wesentlichen Punkte, die diese Epoche und ihre Handwerkskunst definierten:

Der Weinbrenner-Stil

Alles, was in dieser Zeit in Karlsruhe entstand, folgte Weinbrenners Vision einer „Totalarchitektur“. Er entwarf nicht nur Gebäude, sondern auch die passenden Möbel, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Dieser Karlsruher Klassizismus zeichnete sich durch eine fast strenge, geometrische Klarheit aus, die sich natürlich deutlich vom verspielten Rokoko der vorangegangenen Jahrzehnte abhob.

Handwerkliche Merkmale um 1800

Materialien: Während man in Paris bevorzugt Mahagonimöbel herstellte, nutzten die Karlsruher Meister heimische Hölzer. Besonders Nussbaum und Kirschbaum wurde mit einer Präzision furniert, die die natürliche Maserung als eigenständiges Dekorelement feierte. Häufig wurden die heimischen Hölzer auch mahagonifarben gebeizt oder gefärbt.

Formsprache: Die Möbelstücke wirken oft architektonisch. Säulen, Pilaster und Kannelierungen (vertikale Rillen) sind häufige Motive. Ein Zylinderbüro aus dieser Zeit war nie bloßer Gebrauchsgegenstand, sondern ein kleines Monument im Raum und natürlich auch ein Statussymbol.

Politischer Kontext

Die Werkstätten standen unter dem Druck (und dem Privileg), den neuen Status Badens als Verbündeter Napoleons zu repräsentieren. Man wollte den französischen Empire-Stil aber nicht einfach kopieren, sondern eine eigenständige, „badische“ Antwort darauf finden – bodenständiger in der Materialwahl, aber absolut ebenbürtig in der Eleganz.

Ein Möbelstück wie dieses herrschaftliche Zylinderbüro aus der Karlsruher Hofwerkschreinerei um 1805 ist daher immer auch ein Stück Zeitgeschichte: Es verkörpert den Stolz eines aufstrebenden Staates und die kompromisslose Ästhetik des Klassizismus.

Johannes Kössler

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