Herrschaftliches Empire-Zylinderbüro um 1805, südwestdeutsch, wohl Karlsruher Hofschreinerei, Nussbaum, Eiche, Linde, alte Lederschreibfläche, originale Schlösser und Beschläge. Das Möbel hat einen verschließbaren Zylinder, eine ausziehbare Schreibfläche und links sowie rechts eine ebenfalls ausziehbare Nebenschreibfläche.
B.: 144 cm H.: 124 cm T.:70 cm
Das Empire-Zylinderbüro befindet sich in ausgezeichnetem Erhaltungszustand mit originaler Oberfläche. Es weist keinerlei Veränderungen und kaum Gebrauchspuren auf. Dieses beeindruckende Möbelstück stammt ursprünglich aus markgräflich badischem Besitz und zeigt typische Merkmale der Karlsruher Hofwerkschreinerei auf, die wiederum stark von der späten Neuwieder Roentgen-Werkstatt beeinflusst wurde.
Und hier finden Sie ein etwas späteres Biedermeier-Zylinderbüro.
Die Karlsruher Hofwerkschreinerei
Nach 1803 erlebte die Karlsruher Hofwerkschreinerei ihre glanzvollste Ära. Im weiteren Verlauf wurde sie geprägt durch den Aufstieg Badens zum Großherzogtum und dem überstrahlenden Einfluss des Architekten Friedrich Weinbrenner.
Hier sind die wesentlichen Punkte, die diese Epoche und ihre Handwerkskunst definierten:
Der Weinbrenner-Stil
Alles, was in dieser Zeit in Karlsruhe entstand, folgte Weinbrenners Vision einer „Totalarchitektur“. Er entwarf nicht nur Gebäude, sondern auch die passenden Möbel, um ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Dieser Karlsruher Klassizismus zeichnete sich durch eine fast strenge, geometrische Klarheit aus, die sich natürlich deutlich vom verspielten Rokoko der vorangegangenen Jahrzehnte abhob.
Handwerkliche Merkmale um 1800
Materialien: Während man in Paris bevorzugt Mahagonimöbel herstellte, nutzten die Karlsruher Meister heimische Hölzer. Besonders Nussbaum und Kirschbaum wurde mit einer Präzision furniert, die die natürliche Maserung als eigenständiges Dekorelement feierte. Häufig wurden die heimischen Hölzer auch mahagonifarben gebeizt oder gefärbt.
Formsprache: Die Möbelstücke wirken oft architektonisch. Säulen, Pilaster und Kannelierungen (vertikale Rillen) sind häufige Motive. Ein Zylinderbüro aus dieser Zeit war nie bloßer Gebrauchsgegenstand, sondern ein kleines Monument im Raum und natürlich auch ein Statussymbol.
Politischer Kontext
Die Werkstätten standen unter dem Druck (und dem Privileg), den neuen Status Badens als Verbündeter Napoleons zu repräsentieren. Man wollte den französischen Empire-Stil aber nicht einfach kopieren, sondern eine eigenständige, „badische“ Antwort darauf finden – bodenständiger in der Materialwahl, aber absolut ebenbürtig in der Eleganz.
Ein Möbelstück wie dieses herrschaftliche Zylinderbüro aus der Karlsruher Hofwerkschreinerei um 1805 ist daher immer auch ein Stück Zeitgeschichte: Es verkörpert den Stolz eines aufstrebenden Staates und die kompromisslose Ästhetik des Klassizismus.






