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Johannes Kössler

Weiherweg 10
D-87727 Babenhausen

Tel: +49 (0) 83 33 - 35 30
biedermeier-moebel@t-online.de

Auf Ortstermin

 

Die imposante, eichene Rundbogentür
vor mir klemmt. Die Frau dahinter
kann sie nur mühsam öffnen. Blütenstaub
und Spinnweben kleben auf
dem Türblatt und aus dem Inneren
der Villa strömt mir abgestandene, modrige
Luft entgegen. Die freundliche Türöffnerin
überhäuft mich sofort mit Erklärungen und
Entschuldigungen für die Umstände. Kleiner Smalltalk
– und wir kommen in das etwas düstere, aber
großzügig angelegte Wohnzimmer. Eingerichtet
wurde es in den 1960er- Jahren. Hinter einer Polstercouch
steht eine prächtige Barockkommode –
doch leider nur auf den ersten Blick. Bei genauerem
Hinsehen erweist sie sich als abgeschliffen,
mit zeitgenössischem Lack überzogen und einem
erneuerten, noch immer erhältlichen Beschlagwerk
ausgestattet. Wohl zu sichtbar nehme ich etwas
Abstand von dem Möbel, was meiner Begleiterin
einen kurzen Seufzer entlockt.


Die Suche geht weiter


Gegenüber steht ein mächtiger Tabernakelsekretär
aus dem Barock, der wiederum durch eine sehr ra -
dikale Restaurierung – wohl in den 1980er-Jahren –
stark entwertet wurde. „Von Derrick, der legendären
Krimiserie, wurde hier eine spannende Folge ge -
dreht“, erzählt die Erbin des Hauses nicht ohne Stolz.
Vorbei geht es an verblichenen Vorhängen, bun ten
Teppichen und rustikalen Eichenmöbeln. Zahllose
Stücke, heute ohne Nutz- und Marktwert: Betten,
Truhen, Regale – manches aus den 1930er-Jahren,
anderes aus Spanplatten gefertigt, abgewohnt, be -
schädigt, ausgeblichen. Wir passieren dunkle Gästezimmer
mit schmalem Charme, die mit dem Notwendigen
und Abgelegten ausgestattet sind. Doch
plötz lich! Hinter einer aufgestellten Matratze sticht
mir ein Detail ins Auge – die Armlehne eines verstaubten
Biedermeiersofas. Es ist schön proportioniert,
mit alter Patina ohne erkennbare Restaurierungen
und hat eine gute originale Substanz. Im
Bügelzimmer findet sich ein dazu passender Biedermeierstuhl.
„Im Kinderzimmer sind noch zwei
weitere“, sagt meine Begleiterin, „einer rot und der
andere grün gestrichen.“ Ich bekunde mein Interesse
und sie meint verlegen: „Trotz meiner pubertären
Farbgebung?“ Natürlich, denn wenn das Original
darunter gut erhalten ist, stellt ein Anstrich
kein Problem dar. „Die Möbel stammen wohl vom
Urgroßvater meiner Mutter“, sinniert meine Be -
glei tung, „der war Beamter in Aschaffenburg.“


Ende: gut!


Ich nahm die Biedermeier-Möbel mit. Und siehe
da: Später, zurück in meiner Werkstatt, entdeckte
ich doch tatsächlich den originalen Inventaraufkleber
des Königlichen Schlosses Aschaffenburg an
dem Sofa. Ein unerwarteter königlicher Fund!

BiedermeierMoebel
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