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Johannes Kössler

Weiherweg 10
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Früher hatten die Handwerker noch Zeit schöne Dinge zu machen...

Dieser Satz fällt sofort und ist eine weitverbreitete und immer wieder gebrauchte These, die dem geneigten Betrachter schöner antiker Möbel häufig entfährt. Ist diese Aussage aber überhaupt gerechtfertigt?

Betrachtet man eine großzügig geschwungene Barockkommode mit vielen kleinen, feinen Intarsien, sind die meisten doch sehr überrascht, mit welcher Liebe zum Detail fein säuberlich gearbeitet wurde. Ein beeindruckendes, wunderschönes Blumenbild ergibt sich beispielsweise auf einer Kommodenplatte durch das Zusammenspiel oft exotischer Hölzer, dem räumlichen Denken des Handwerkers, der Auswahl der Holzmaserung sowie dem gekonnten gravieren und brandschattieren der Marketerie-Teile. Künstler und Entwerfer, heute würden wir sie Designer nennen, verbreiteten oft die gedruckten Vorlagen dazu, die dann vom Handwerker umzusetzen waren. Gefordert wurde dies von wirtschaftlich potenten Auftraggebern wie beispielsweise Fürsten, Äbten oder Patriziern, die sich gerne im zeitgemäßen Stil einrichten, modern repräsentieren und auftreten wollten. Natürlich wurden auch immer einfache, schlichte Gebrauchsmöbel hergestellt, die sich aber meist verbraucht haben und damit nur noch äußerst selten erhalten wurden. Anders die Luxusmöbel, die damals schon mit viel Herzblut und großem Engagement hergestellt wurden. Waren sie gestalterisch und technisch gelungen, wurden sie hochgeschätzt, gepflegt und nachgefragt. Kunsthandwerker, die sie schufen, deren Kapital ihr Werkzeug und ihr handwerkliches Können war, waren dann oft stark beschäftigt und ausgelastet. Zunftzwänge unterbanden aber meist jegliche Expansion. Produktivitätssteigerung durch Maschineneinsatz - heute selbstverständlich – war kaum denkbar. Da aber die aufwändigen kunsthandwerklichen Arbeiten an den Sichtseiten der Möbel viel Energie und Liebe eines Meisters kosteten, wurde praktisch immer an den nicht sichtbaren Seiten eines Möbels gespart und zwar viel Zeit. An allen mir bekannten hochwertigen Luxusmöbeln aus dem 18. Jahrhunderts lässt sich dies mit einem Blick auf die Rückwand ablesen. Rückwände oder Böden der prächtigsten Möbel sind grob und gerade noch so gut verarbeitet, dass man sich bei Berührung nicht verletzt. Kostbare Zeit wurde ausschließlich in die repräsentativen Sichtseiten investiert und das nicht weil sich der Meister gerade langweilte, sondern weil von den Auftraggebern verlangt und auch so bezahlt wurde.

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