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Johannes Kössler

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Das Kreuz mit dem Kindle

Alle Welt scheint mir, insbesondere ein paar meiner belesenen Freundinnen, sind ganz und gar vom aktuell grassierenden Kindle-Fieber infiziert. Unproblematisch saugt dieses kleine Gerät Buchinhalte gleich Stapelweise in sich auf und erleichtert somit das Urlaubsgepäck radikal. Im Alltag muss nun neuer Füllstoff her und das nicht nur für die überdimensionalen Handtaschen, in die ja irgendetwas rein soll, denn schlaff und faltig sehen die richtig alt aus. Also wären Bücher doch das richtige, nein? Ich hörte lieber wären da Ersatzschuhe, sprich bequeme Ballerinas angesagt und Kosmetika, natürlich das Handy und dann ja der Kindle.

Aber nicht nur für unterwegs wäre dieses Gerät ein Traum, sondern gerade im Wohnraum würde es sich positiv bemerkbar machen. Warum, um Himmels Willen das? Weil nicht mehr so viele Regalbretter benötig würden? Weil es weniger wiegt als das gemeine Buch? Und daraus ergibt sich nun mein Dilemma: „Strange" also fremd war mein erster spontaner Gedanke in Wohnungen oder Häusern wo keine Bücher oder sonstige Sammelobjekte zu sehen waren! Gespeichertes Wissen, Spannung, Unterhaltung u.s.w. ,das uns seit Jahrhunderten nicht nur geistig bereichert, soll nun nur noch minimale physische Spuren hinterlassen? Topp Innenarchitekten haben das Problem erkannt. Ihre Praktikanten durchkämmen Antiquariate und Buchhandlungen um alles aufzukaufen was nach Bildung und Qualität in gebundener Form aussieht. Einfachere Gemüter unter den Inneneinrichtern trimmen alles nach neustem Style - Hauptsache die teuren, bekannten Einrichtungsmarken sind vertreten – und wundern sich später über die fehlende Atmosphäre. Noch ein paar nichtssagende, aber irgendwie bekanntere Bilder der Moderne oder Gegenwart an die Wand. Für den Gast sieht das dann nach Wohnstudio also Verkaufsraum aus, aber nicht nach persönlichem Wohnraum. Ja, gebundene Bücher mit grafisch anspruchsvoll gestalteten Covern muten demnächst vielleicht schon etwas antik an. Aber in einer Wohnumgebung auf einem Kontinent mit Kultur und Geschichte sind sie ähnlich wie Antiquitäten und Sammlungsstücke nicht wegzudenken. Gerade sie geben uns viel, eben nicht nur den bloßen Inhalt, sondern eben auch erlesene Vitrinen. Diese gefüllt mit persönlichen Sammelobjekten und echten, selbstgelesenen Büchern, die Geschmack, Mut und Persönlichkeit zeigen.

Ihre Anke Kößler

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