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Johannes Kössler

Weiherweg 10
D-87727 Babenhausen

Tel: +49 (0) 83 33 - 35 30
biedermeier-moebel@t-online.de

Gut für die Ökobilanz!

Fertig! Das heißt in meiner Restaurierungswerkstätte, dass beispielsweise bei einer um
die 200 Jahre alten Kommode die Schubladenwieder einwandfrei laufen, das Möbel er -
neut einen guten, festen Stand hat, die Schlösser schließen und das Äußere ohne eine Beschädigung,
aber mindestens mit seiner originalen Holzoberfläche erhalten ist. Es ist mit guten Restaurierungsarbeiten
wie mit einem Friseurbesuch, sagte einmal der bedeutende Kunstberater Dr. Christoph
Graf Douglas zu mir: Vor dem Besuch sieht man die Notwendigkeit und nach dem Besuch sollte man
nicht sehen, dass man gerade beim Friseur war!


Gegenüberstellung

Eingemummelt in wiederverwendbare Decken geht das schöne Stück dann zum Kunden. Da Privatkunden
im Allgemeinen fertig restaurierte Möbel kaufen, entfallen lästige Liefertermine, die sich bei Neumöbeln
oft über Zeiträume von acht Wochen und mehr erstrecken. Eine bereits 200 Jahre alte Biedermeier-
Kommode, die ständig in Gebrauch war, lässt sich aber auch noch einmal 200 Jahre lang nutzen. Das
sind dann 400 Jahre Genuss eines Gegenstandes, der praktisch ist, schön altert und ausgesprochen
um weltfreundlich hergestellt wurde – und das ist doch eine tolle Bilanz. Eine zeitgenössische Kommode
mit hohem Anteil an nicht verrottendem Kunststoff hat hingegen eine durchschnittliche Lebenserwartung
von 10 bis 15 Jahren. Sie wird häufig in fernen Ländern hergestellt und kommt in Folien einge -
schweißt und dann auch noch in Styroporflocken verpackt zum Kunden. Damit weist sie selbstverständlich
eine ganz andere Ökobilanz auf. Um über einen Zeitraum von 400 Jahren permanent eine derartige
Kommode nutzen zu können, müssten also um die 30 Stück erzeugt, transportiert und natürlich
auch entsorgt werden. Denkt man sich die Entsorgung weg, dann zeichnet sich ein deutliches Bild
ab: Unserer Biedermeier-Kommode mit ihrer Höhe von 80 Zentimetern würde nach den vollendeten
vier Jahrhunderten ein Turm aus vergleichbar hohen zeitgenössischen Kommoden, die in der Regel un -
schön altern und nicht restaurierbar sind, von ungefähr 24 Metern Höhe gegenüberstehen!

Nicht kopflos sein

Sicherlich trifft Biedermeier-Mobiliar nicht jeden Geschmack und der Bestand an originalen alten Möbeln
aus dieser Zeit ist begrenzt, aber begrenzt sind auch unsere Ressourcen. Vor allem, wenn man bedenkt,
dass schon in 30 Jahren mehr Plastik als Fisch von den Meeren beherbergt werden könnte. In diesem
Sinne möchte ich den Gedanken von Graf Douglas weiterspinnen und sagen: Wenn die Frisur nicht mehr
stimmt, brauchen wir nicht gleich einen neuen Kopf. Schon ein Kamm und etwas Farbe bewirken oftmals
Wunder – bei natürlicher und solider Substanz.

Ihr Johannes Kößler