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Johannes Kössler

Weiherweg 10
D-87727 Babenhausen

Tel: +49 (0) 83 33 - 35 30
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Ein Hauch von Legebatterie

Kürzlich las ich im Wartezimmer meines Zahnarztes in einer renommierten Wohnzeitschrift, dass in Zeiten der Globalisierung auch eine global kompatible Wohnwelt von Nöten sei. Sprich der junge, erfolgreiche, weltweit agierende Single braucht laut dem Heft eine auf der ganzen Welt gleiche Einrichtung seiner Wohnung, um bei Wohnortwechsel möglichst wenig Umzugsgut bewegen zu müssen. Dies solle nicht nur praktisch sein, sondern auch dazu dienen sich überall auf der Welt gleich zu Hause zu fühlen und die Wohnungen untereinander tauschen zu können. Ach ja, geht das überhaupt?

Ureigene Sammlerleidenschaften

Was macht denn mein oder Ihr zu Hause eigentlich so aus? Also ich für meinen Teil sammle Möbel und auch Bücher. Das bringt zwar zum einen mein Beruf mit sich, aber ich umgebe mich gerne mit schönen Dingen und lese eben auch deshalb viel darüber.
Die meisten Menschen haben heute neben der Arbeit noch Hobbys oder andere Tätigkeitsfelder, die es mit sich bringen vielfältige Gegenstände zu horten. Es müssen ja nicht gleich wie beim Jäger die vielen, großen Trophäen sein. Es reicht beispielsweise bei großer Reiselust die vielen kleinen Erinnerungsstücke aus aller Welt, die einen schwelgen und erzählen lassen. Übrigens war dieses Zusammentragen und Pflegen schon in vergangenen Jahrhunderten weit verbreitet aber den gehobenen Schichten vorbehalten. Man brachte etwas mit von der Reise, schenkte es weiter, sammelte kleine Objekte wie Humpen, Pokale, Stoßzähne oder andere Jagdtrophäen, aber auch Schnecken, ebenso exotische Pflanzen und andere seltene Naturalien, Stoffe, Schriftstücke, kleine Kunstgegenstände aus Gold, Perlmutt, Silber, Elfenbein oder auch Holz und vieles mehr. Während der Renaissance und im Barock fand das alles seinen Platz in der Kunstkammer, die aber auch später in der Zeit des Empire und Biedermeier sehr geschätzt war. Die Besitzer und ihre Gäste konnten dort die Sammlungsstücke und möglichst einen Mikro-Kosmos bestaunen, entdecken und analysieren.

Die wahren Werte

Der Gast von heute bestaunt Kunst in allen Formen, über Schallplatten bis zu Wein, Schuhe und Oldtimer auch viele tolle Sammlungen.
Sie sind aber kein Sammler sondern Sportler? Die Golfausrüstung, das Skiequipment oder die Räder brauchen auch ihren Platz. Selbst der durchtrainierte Wellnessmensch hat eine ordentliche Sportausrüstung, bequeme Wohlfühlkleidung und wichtige Kochutensilien, die es zu verstauen gilt. Das klingt erst mal nicht sehr vorzeigbar, aber wenn man die Tennisschläger im Flur stehen sieht, oder eben ein typisches/außergewöhnliches Möbelstück aus der Region weiß man als Gast gleich welches Gesprächsthema zum Auftakt eines Abends passend wäre. Das alles erscheint mir kommunikativ und vertraut. So kenne ich das zwischenmenschliche Miteinander. Die kompatible Einheits-Wohnwelt wird mir wohl fremd bleiben.